22. Feb. 1977 – 22. Feb. 2017. 40 Jahre Standortbenennung Gorleben.

NDR 40 JahreHeute vor 40 Jahren benennt der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) das Elbdorf Gorleben zum Standort für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ). Geplant ist nicht weniger als der größte Industriekomplex Europas: Eine so genannte Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) für abgebrannte Brennelemente aus den Atomkraftwerken, ein Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle in Castorbehältern, ein Fasslager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle und ein Endlager im unter dem Betriebsgelände befindlichen Salzstock Gorleben.

Nur wenige Tage nach der Standortbenennung gründen Atomkraftgegner die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. Schon am 16. März 1977 demonstrieren Tausende gegen die Pläne der Regierung auf der als Standort vorgesehenen Waldbrandfläche im Gorleben-Gartower Forst. Gorleben wird zum Kristallisationspunkt in der Auseienandersetzung um die Nutzung der Atomenergie und die langjährige, im vergangenen Jahr leider verstorbene BI-Vorsitzende Marianne Fritzen zur Ikone der Anti-AKW-Bewegung.

Im Verlauf der Protestgeschichte bildete sich auch eine „Wofür-wir-sind“-Bewegung im Wendland. Junge Landwirte stellten schon Anfang der 1980er Jahre Ihre Höfe auf Bio um, die 1989 aus der Taufe gehobenen Wunderpunkte im Wendland (heute: Kulturelle Landpartie) sind heute die größte Kunst- und Handwerksausstellung im ländlichen Raum der ganzen Bundesrepublik und Betriebe wie WENDLANDBRÄU versuchen schon seit vielen Jahren, mit Bio-Rohstoffen „anders“ zu wirtschaften – lange, bevor es den Craftbier-Boom in Deutschland gab (KLICK auf den ARD-Beitrag „Hallo Niedersachsen“ mit WENDLANDBRÄU).

Übrigens: Ganz erfolglos war der Protest nicht. Eine WAA konnte verhindert werden, in der Castorhalle sind von 420 möglichen Stellplätzen lediglich 113 belegt und bisher ist kein Atommüll im Gorlebener Salzstock endgültig verbuddelt. Doch das Kernstück der ehemaligen Pläne, der Salzstock Gorleben spielt immer noch die Hauptrolle beim angeblichen Neustart bei der Endlagersuche, den die Bundesregierung 2013 ausgerufen hat. Gorleben ist der einzige bisher benannte Standort und sämtliche Auswahlkriterien sind auf die bereits bekannten Mängel des Salzstocks hin formuliert. So, dass Gorleben bis zur Endrunde gar nicht rausfliegen kann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt 😉 (KLICK auf den Deutschlandradio-Beitrag)